Die CAV Einspritzpumpe DPA 3243370



... Einblicke in die Einspritztechnik

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Einspritzpumpe DPA 3243370 Land Rover Diesel 2,25 Liter


Am 2,25 Liter Motor ist eine voll mechanische CAV DPA Rotationseinspritzpumpe verbaut. Die Nummer der Pumpe für alle Fahrzeuge mit diesem Motor lautet einheitlich: DPA 3243370

CAV hat eine ganze Reihe von optisch gleichen Pumpen für andere Motoren gebaut, die zwar auch auf den Flansch des Land Rover Motorblockes passen, wo aber die technischen Daten wie Fördermenge und Förderbeginn nicht passen.

Die verbaute CAV Pumpe besitzt keine Startanreicherung, ist nicht selbstansaugend, hat ein rein mechanisches Absperrventil und keine automatische Entlüftung. Die Pumpe wurde während der gesamten Laufzeit der 2,25 L Dieselmotorserie identisch in der Funktion gebaut. Ausnahmen sind u.a. Unterschiede in den Dichtungssätzen und in Feinheiten der im Inneren verbauten Teile.

Diese Eigenheiten zu kennen, ist einer der wesentlichen Grundlagen zur ersten Fehlereingrenzung der DPA 3243370.

1. Fehlende Startanreicherung: Der kalte Motor muss mit halb oder ganz durchgetretenem Gas angelassen werden, d.h. die Startanreicherung erfolgt manuell, da bei Halb- oder Vollgas mehr Diesel eingespritzt wird und somit der Kaltstartvorgang erleichtert wird.

2. Wenn sich Luft im Einspritzsystem befindet, muss die Pumpe manuell entlüftet werden. Hierbei ist es zwingend notwendig, sich an die Reihenfolge der Schritte aus dem Werkstatthandbuch zu halten.

3. Es ist darauf zu achten, dass der mechanische Abstellbowdenzug immer wieder automatisch oder auch per Hand ganz zurückgeschoben wird, hängt dieser, springt der Motor nicht an.

Funktion allgemein: Im Kopf der Einspritzpumpe befindet sich eine Flügelzellenpumpe. Diese dient zum Verteilen des von der Dieselförderpumpe in den Kopf gepumpten Diesels. Ein Teil des Diesels wird in den Hochdruckteil der Pumpe geleitet, der andere Teil wird durch das Pumpengehäuse geführt und verlässt die Pumpe am tiefsten Punkt durch die Rücklaufleitung zurück in den Kraftstoffkreislauf. Diese Maßnahme dient zum einen zur Kühlung der Pumpe und zu anderen, wesentlich wichtigeren Teil, der Schmierung aller mechanischen Teile im Inneren der Pumpe. D.h. der Innenraum der Einspritzpumpe ist zu jeder Zeit komplett mit Dieselkraftstoff gefüllt.

Der von der Flügelzellenpumpe in den Hochdrucktrakt geförderte Treibstoff wird hier mechanisch durch 2 kleine Metallkolben verdichtet. Man kann sich das bildlich mit einer Ballpumpe veranschaulichen, auf deren Ausgangsspitze man seinen Daumen hält. Komprimiere ich nun die Luft in der Ballpumpe, so steigt der Druck am Daumen, bis er so stark ist, dass die Luft mit einem Zischen entweichen kann, da der Anpreßdruck des Daumens dem Druck nicht mehr standhält.

Nur wird in der CAV DPA 3243370 Einspritzpumpe Druck auf eine Flüssigkeit ausgeübt. Da sich Flüssigkeit nicht komprimieren lässt, steigt der Druck in dem Hochdruckkanal extrem schnell auf über 120 bar an. Die Einspritzdüse ist so eingestellt, dass sie dem Druck bei 125 bar nachgibt und öffnet, der Diesel verlässt die Düse und wird dabei nebelartig in die Vorkammer des Motors eingedüst. Das heisst aber im Umkehrschluss, dass die Verdichtung in der Pumpe mindestens 125-130 bar betragen muss, sonst öffnet die Düse nicht. In der Regel schaffen neue oder überholte CAV DPA 3243370 Pumpen einen Druck von 160 bar, also genügend um auch geringe Schwankungen beim Öffnungsdruck der Düsen auszugleichen.

Da aber bei einer 360 Grad Drehung der ESP Antriebswelle alle 4 Einspritzdüsen einmal mit komprimiertem Diesel zu versorgen sind, ist die technische Lösung in der Ausführung des Hochdruckkanales etwas komplizierter. Eine gute bildliche Erklärung findet man dazu hier:


Wichtig ist das grundsätzliche Verständnis des Prinzips Land Rover CAV Einspritzpumpe, was auf eine weitere Fehlerquelle hinweisen kann. Man kann sich vorstellen, dass der innere Aufbau der Pumpe recht filigran ist und die notwendigen Passungen von rotierender Welle zum Gehäuse des Druckkanals extrem toleranzarm gefertigt sein müssen, um hier einen Druck von mehr als 120 bar zu erzeugen. (Es gibt hierbei keine weiteren Dichtungen) Für einen geringen Verschleiß, der im Inneren rotierenden Teile, sorgt der Dieselkraftstoff im gefüllten Gehäuse.

Zwei Tatsachen führen hier zum vorzeitigen Verschleiß:

1. Schmutzpartikel im Diesel durch unzureichende Wartung der Filteranlage des Land Rover Serie Motors. Insgesamt sind vom Tank bis zur Pumpe 4 Filter verbaut, wovon 3 einer regelmäßigen Wartung und Reinigung bedürfen. Schon kleinste Schmutzpartikel im Diesel führen unweigerlich zu einem vorzeitigen Verschleiß der rotierenden Teile der Pumpe.

2. Mangelnde Schmierfunktion moderner Dieselkraftstoffe. Früher besaß der Dieselkraftstoff einen wesentlich höheren Anteil an Schmiereigenschaften, die für die Haltbarkeit der alten Reihen- bzw. Rotationseinspritzpumpen extrem wichtig waren. Um diese Schmiereigenschaften wieder herzustellen, sollte man dem Diesel nach dem Tanken eine gewisse Menge an Motoröl beigeben. Pumpeninstandsetzer empfehlen ca. 0,5-1 Liter je 50-70 Liter Kraftstoff.

Prüfen und Reparatur der CAV DPA 3243370 Einspritzpumpe:

Eine zuverlässige Leistungsprüfung ist mit den heimischen Mitteln nicht durchzuführen. Was aber als erstes versucht werden sollte ist der Sprühtest, um die grundlegende Funktion der Pumpe zu überprüfen.

Hierfür besorgt man sich eine Einspritzleitung und eine neue oder überholte Düse (bitte nicht eine im Motor eingebaute verwenden, um diese als mögliche Fehlerquelle auszuschließen)

Vorgehensweise:

1. Lösen der Leitung für den ersten Zylinder direkt an der Pumpe. Starten des Anlassers, entweder über ein Fernstartkabel oder jemand startet für einen. Man beobachtet den Ausgang des Flansches. Hier muss nach 2-4 Anlasserumdrehungen pulsweise Diesel austreten. Es sind keine großen Mengen, eher größere Tropfen.

2. Man schließt die neue Dieselleitung an und lässt den Motor durchdrehen, bis auch hier Diesel austritt, die Leitung ist nun entlüftet.

3. Man schließt nun die neue Düse an und startet den Motor wieder, nach etwa 5-20 Umdrehungen muss pulsweise feiner Dieselnebel aus der Düse kommen. (Achtung die Ausdüsung sollte immer vom Körper weg erfolgen, da dieser feinste Dieselnebel gesundheitsschädlich ist)


Somit ist schon mal die Grundfunktion der CAV DPA 3243370 Einspritzpumpe gegeben. Nun führt man diesen Versuch an den 3 weiteren Pumpenausgängen durch. Wenn alle Ausgänge fein vernebeln, dann sollte davon ausgegangen werden, dass die Pumpe in Ordnung ist, zumindest für vernünftiges Anspringen.

Nun kann man nacheinander die verbauten Düsen im Motor demontieren und diese auf gleiche Weise testen.
Falls hierbei kein feinnebel entsteht, sind die Düsen zu überholen

Sollte schon ohne Leitung und angebauter Einspritzdüse kein Diesel aus dem Flansch austreten, dann ist als erstes die Stellung des Abstellventiles zu überprüfen.

Anschließend sollte der Zulaufschlauch zur ESP abgezogen werden und man prüft die Fördermenge der Dieselförderpumpe, diese sollte mit jedem Hub einen Spritzer mit der Menge eines kleinen Schnapsglases fördern.

Als letzte Maßnahme führt man nochmals die Entlüftung der CAV DPA 3243370 Einspritzpumpe durch, wenn das alles keinen Erfolg aufweist muss die Pumpe überholt werden. Desweiteren kann auch gutes Anspringen gewährleistet sein, aber keine Leistung, da der mechanische Spritzversteller nicht mehr funktioniert.

Eine Überholung in Eigenregie empfehle ich in der Regel nicht, da die spätere Einstellung der CAV Pumpe auf einem Leistungsprüfstand erfolgen sollte, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen.

Ich habe hier 2 Wege getestet die ich empfehlen kann, der Tausch der kompletten Pumpe über
einen englischen Instandsetzer hier kann ich BobBeck Fuel Injection aus Warwickshire empfehlen oder die Reparatur der Pumpe bei einem deutschen Instandsetzer, hier habe ich gute Erfahrungen mitwww.Dieselkontor.de machen können.

Die Fehlersuche in der Einspritzanlage kann einen schon viel Zeit und Geduld kosten. Neben diesen Fehlerquellen kommen für schlechtes oder kein Anspringen auch immer noch die Vorglühanlage, die Steuerkette oder schlechte Kompression in Frage.

Wenn alle Baugruppen einwandfrei funktionieren und genügend Kompression vorhanden ist, dann springt ein kalter 2,25 L Land Rover Dieselmotor nach etwa 3-5 Umdrehungen sicher an. Tut er das nicht, dann befindet sich in dem gesamten System mindestens eine der beschriebenen Fehlerquellen.

Das Thema Einspritztechnik und Dieselanlage wird auch in meinem Land Rover Schrauberseminaren ausgiebig behandelt !!!